Adelheid Sandhof

Eröffnungsrede zur ersten grösseren Personalausstellung bei der Berliner Galerie Mitte, 1988

Titel
Eröffnungsrede zur ersten grösseren Personalausstellung bei der Berliner Galerie Mitte, 1988
Originaltext




Adelheid Sandhof fühlt sich einer künstlerischen Auffassung verbunden, deren Ausgangspunkt „die visuelle Widerspiegelung“ ist. Dabei geht es weniger um die Konkretheit der Gegenstände, sondern vielmehr um deren Direktheit. Sandhof gestaltet, doch sie gestaltet so, dass die Dinge ihr Recht auf Eigenwert spürbar machen. Die Existenz dieses Eigenlebens bindet an bestimmte Gesetze. Vielleicht ist gerade das die Voraussetzung, die das Verlangen weckt, Festgelegtes und Feststehendes angreifbar werden zu lassen. Für die Künstlerin wird dies wichtig, sie kommt kontinuierlich zur Erweiterung des Formgedankens, wird großzügiger in der Anordnung der Form- und Farbgruppierungen. Die Farbigkeit wird bis in feinste Sensibilität erhöht. Farbtiefe und Farbstruktur gibt es kaum, auf Strahlkraft verzichtet sie. Lichtquelle wird das Weiß, manchmal übermalt, bricht es die andere Farbe und setzt lichte Punkte. Die Farbpalette spannt sich von kühlen Graugrün-Tönen bis rosaviolett. Allein im Atelier wird erdacht, verändert verworfen, diszipliniert. Skizzen entstehen, Vorarbeiten entwerfen die Komposition. In den Aquarellen setzt die Farbe wesentliche Akzente. Adelheid Sandhofs Bilder sind mir in Erinnerung in verhaltener, kluger, ernster Zartheit. Emotion wird hier reflektierender Faktor. Symbolisches ist bei Sandhof nicht gemeint. Ihre Bilder sind von klarer Natürlichkeit, dennoch lassen sie die Möglichkeit einer hintergründigen Entdeckung offen, z. B. die Stilleben in begrenzten Innenräumen. Diagonale und Senkrechte teilen auf und setzen Begrenzungen. Sie erinnern an das Gefühl der Unsicherheit in jedem von uns, das ja an und für sich nicht unangenehm ist, steht dahinter ein unbändiger Sinn.

Sandhof lässt Spielraum für Berührungspunkte, probiert aus, erweitert dadurch ihr Realitätsgefühl und Sehfeld. Neben der Suche nach künstlerischer Ausdrucksform ist in den Arbeiten Adelheid Sandhofs der Gehalt der Gestaltung wesentlich. Durch ihre persönliche innere Anteilnahme suggeriert die Künstlerin uns durch diese Stilleben, Collagen und Materialbilder ein reiches Beziehungsgeflecht. Für das Suchen nach Stabilität und Ausgewogenheit gibt es keine Konstante.

In ihrem Werk steht das Bemühen, die künstlerische Haltung zu entwickeln und darüber ein bestimmtes Lebensverhältnis zu vermitteln, aus sich heraus zu schöpfen, die natürliche Ordnung der Dinge des Lebens aufmerksam beobachten und die Empfindungswelt anderer über die Begegnung mit sich selbst zu berühren.